JOHANN ZOFFANY (1733-1810)
tätig in England, Florenz, Wien, sowie in Indien
Erzherzogin Maria Christine (1742-1798)
1776, Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv. Nr. 1809

Johann Zoffany führte ein unruhiges Leben, das ihn aus seiner Heimat Frankfurt am Main, die er früh verließ, nach England, Italien, Wien zurück nach England und von dort sogar bis Indien führte. Er war als Maler höfischer Kreise überaus erfolgreich, da er es verstand, in seinen Porträts ein Ideal konfliktfreier Heiterkeit zu vermitteln und die Lebensähnlichkeit der Bildnisse durch die glänzende Schönheit der stofflichen Oberflächen noch zu steigern. In den brillanten leuchtenden Farben und dem Glanz des Inkarnats steht er der Malerei am Übergang vom Rokoko zum Klassizismus nahe, wie sie in Italien vom damals führenden Bildnismaler Pompeo Batoni, aber auch von Anton Raphael Mengs, Anton von Maron und Angelika Kauffmann vertreten wurde, deren Werke er während seines Aufenthalts in Florenz zwischen 1776 und 78 kennenlernte. Er schuf damals sein berühmtestes Werk, die Darstellung der Tribuna der Uffizien, jener achteckige Raum, der seit jeher die Zimelien der großherzoglichen Kunstsammlungen enthielt, erfüllt von zahlreichen vornehmen Besuchern, die auf der "Grand Tour" der obligaten Bildungsreise der führenden europäischen Gesellschaftsschicht nach Italien, hier zusammentrafen.

In Florenz porträtierte Zoffany die vielköpfige Familie Großherzog Pietro Leopoldos, der als zweitgeborener Sohn Kaiserin Maria Theresias die Toskana regierte, sowie 1776 Erzherzogin Maria Christine, die Lieblingstochter Maria Theresias, die mit Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen, dem Gründer der Wiener Albertina vermählt war. Das Paar befand sich auf einer mehrmonatigen Kunstreise durch Italien, an deren Ende Giacomo Durazzo die im Auftrag Albrechts angelegte Sammlung von Zeichnungen und Graphiken überreichen konnte, die den Grundstock der Albertina bildet.

Die 1742 geborene Erzherzogin Marie Christine, von ihrer Mutter zärtlich "Mimi" gerufen, besaß beträchtliche künstlerische Begabung und malte und zeichnete selbst. Ihre Verbindung mit Albrecht, einem mittellosen jüngeren Sohn des im Siebenjährigen Krieg geschlagenen sächsischen Kurfürsten, war die einzige reine Liebesheirat, die Maria Theresia einem ihrer Kinder gestattete. Ihre bevorzugte Stellung bei der Kaiserin wurde von den Geschwistern, besonders von dem eifersüchtigen älteren Bruder Kaiser Joseph II. mit Argwohn beobachtet. Ihr scharfsinniger und scharfzüngiger jüngerer Bruder, Großherzog Pietro Leopoldo, charakterisierte sie in seinem in Geheimschrift abgefaßten Tagebuch wenig schmeichelhaft: "Sie, die sehr viel Talent hat, weiß die Kaiserin bei ihren Schwächen zu nehmen. Immer bedauerte sie sie, gibt ihr recht, ist immer bei ihr zu allen Stunden, immer schreibt sie ihr, und auf diese Weise hat sie sie völlig gewonnen und macht mit ihr was sie will, und antwortet ihr und widerspricht ihr auch oft, verlangt viel und die Kaiserin, um sie nicht zu ärgern, weil sie dann ein böses Gesicht zeigt, und um sie nicht zu verlieren, macht alles was sie will. Sie hält sich in der Öffentlichkeit darauf sehr viel zugute, behandelt alle von oben herab, droht allen, bei der Kaiserin etwas zu sagen oder zu tun, mischt sich in alle Geschäfte, macht sich wichtig und vergibt ihre Protektion, verspricht und vermittelt Anstellungen, Pensionen und Gnadengesuche. Obwohl sie manchmal Gefälligkeiten erwiesen hat, ist sie doch allgemein verhaßt und gefürchtet, weil sie eine böse Zunge hat und alles der Kaiserin weitersagt.. Oft hat sie vielen Leuten Unrecht und Nachteil gebracht. Sie ist voll Ehrgeiz und Gewinnsucht, in allem will sie mehr bedient und ausgezeichnet sein als alle übrigen der Familie. Außerhalb der Familie mischt sie sich in alle Staatsgeschäfte und intrigiert oder rührt um."

Karl Schütz